Bonn-Matreier-Hütte

Bonn-Matreier Hütte

Inhalte:

Hüttendaten
Neue Energieversorgung Bonn-Matreier Hütte
 

Von einem Kranz von Dreitausendern umgeben steht auf 2750m Höhe die Bonn-Matreier-Hütte. Sie ist auf einem von der Eichhamgruppe nach Süden vorspringenden Bergrücken erbaut worden. Unmittelbar hinter der Grundstücksgrenze beginnt der Nationalpark Hohe Tauern. Die Hütte liegt in Osttirol und gehört den Sektionen Matrei i.O. des ÖAV und Bonn des DAV zu gleichen Teilen. Die bisher einzige deutsch-österreichische Hüttengemeinschaft besteht seit 1931. Im August 1932 wurde die Hütte ihrer Bestimmung übergeben und in den Jahren 1980 bis 1983 saniert und erweitert. Die Bonn-Matreier-Hütte ist ein wichtiger Stützpunkt für Wanderer auf dem Venediger Höhenweg, Besucher der Hütte werden mit einem herrlichen Blick vom Triglav über die Dolomiten bis zum Ortler belohnt. Von der Hütte aus können mehrere Dreitausender erwandert oder erklettert werden.

 
Hüttendaten
Lage:

auf 2.750m oberhalb des Virgener/Prägatener Tales in Osttirol
UTM Ost:304574 UTM Nord: 5212697<1/td>

Eigentümer

Sektion Bonn des DAV
Postfach 7208, D 53072 Bonn
Tel. 0049 - ( 0 ) 2241 - 341825

und

Sektion Matrei i.O. des ÖAV
Anschrift: Kesslerstadel, A 9971 Matrei i.O.
Tel. 0043 (0) 4875 5535
 0043 (0) 664/4316931

Pächter

Wolfgang Heinz
Auerfeld 7b, A9971 Matrei i.O.
Tel. Tal 0043 (0) 650829913
Hütte 0043 ( 0 ) 4874 - 5577
Email: wolfgang.heinz@gmx.at

Anreise

Bahn Lienz i.O. weiter mit Bus nach Matrei / Prägraten
In den Sommermonaten Bahn Kufstein weiter mit Bus über Kitzbühel, Mittersill, Matrei, Obermauern, Prägraten
Auto: Inntalautobahn bis Kufstein, Mittersill, Felbertauerntunnel, Matrei, Virgen, Obermauern, Prägraten

Bewirtschaftet

Juni bis September / Oktober (je nach Wetterlage)
im Winter: auf Anfrage

Schlafplätze

Zimmerlager/Betten 13
Matratzenlager 40
Winterraum 8 Lager - nicht verschlossen

Aufstiege

Obermauern, Niljochhütte 4,5 Stunden (zur Niljochhütte teilweise steile Serpentinen) Obermauern/ Budam (Parkmöglichkeit), Niljochhütte 3 Stunden Prägraten / Niljochhütte 5 bis 6 Stunden Prägraten-Parkplatz Bodenalm (gebühpflichtig ) / Niljochhütte 4 Stunden (bequemster Aufstieg) Gepäcktransport ab Talstation Materialseil bahn möglich, auf der Hütte anfragen

Gipfel

Raukopf ( 3070m ) 1 bis 1,5 Stunden
Sailkopf ( 3209m ) 2,5 bis 3 Stunden
Eichham ( 3371m ) 4 bis 4,5 Stunden

Übergänge

Badener Hütte 5 bis 6 Stunden
Sajathütte 4 Stunden
Johannishütte 6 bis 7 Stunden
Eisseehütte 4 Stunden
Niljochhütte 1,5 Stunden

Die Bonn-Matreier-Hütte liegt am Venediger Höhenweg, der von der Clarahütte im Umbaltal über die Essener und Rostocker Hütte, Johannishütte (von dort aus zum Defreggerhaus und Großvenediger), Sajathütte über Sajatscharte oder Eisseehütte über Zoppetscharte zur Bonn-Matreier-Hütte und weiter zur Badener Hütte führt, Abstieg ins Gschlöß. Von dort aus kann man auch über das Löbbentörl zur neuen Prager Hütte (ebenfalls Ausgangspunkt zum Großvenediger) über den St.Pöltener Westweg zur St. Pöltener Hütte laufen. Von hier aus Abstieg über Grünseehütte (nicht bewirtschaftet) zum Matreier Tauernhaus (Bus nach Matrei).

Neue Energieversorgung Bonn-Matreier Hütte

Förderprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), AZ 17400/53

 
Herbert Westermann
Bonn-Matreier Hütte
 

Inhalte dieses Berichtes:

Ausgangssituation - Problemanalyse
Förderinitiative der DBU bei Berg- und Schutzhütten
Ziel des Projekts
Umsetzung
Anlagenbeschreibung
Erfahrungsbericht aus der Realisierungsphase und dem laufenden Betrieb
 
 
 

Ausgangssituation - Problemanalyse

Die Bonn-Matreier-Hütte war in Hinblick auf eine umweltrelevante Hüttentechnik im Bereich der Energie- und Wasserversorgung unzureichend ausgestattet. Bezüglich elektrischer Energie stand ein Dieselaggregat zur Verfügung, welches die Abwärme nicht nutzte und den Großteil seiner Laufzeit nur im Teillastbereich betrieben werden konnte. Dementsprechend hoch waren die Emissionen an CO2, Ruß sowie Schwefel- und Stickoxiden. Zudem stellte der Dieselkraftstoff eine potentielle Gefährdung für Wasser und Boden dar.
Wassermangel und eine zeitweilige Gefahr der Verkeimung waren die Probleme der Wasserversorgung. Aufgrund schwankender Quellschüttung war die Wasserversorgungsanlage der Bonn-Matreier Hütte nur unzureichend gesichert, ebenso bestand die Gefahr der Verkeimung des Trinkwassers.

Aufgrund der erwarteten hohen Kosten war die Sektion Bonn ohne fremde Hilfe nicht in der Lage, alleine die anstehenden Probleme zu bewältigen. In Gesprächen mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Herrn Dr. Wulf Grimm und Herrn Dipl. Ing. Franz-Peter Heidenreich konnten Fördermittel zur Erstellung eines Umweltprojekts erwirkt werden. Aufgrund einer Studie, erstellt vom Büro Steinbacher + Steinbacher ZT KEG wurde von Seiten der DBU die Realisierung der im Umweltkonzept dargestellten Maßnahmen gefördert. Ausmaß der Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU): Die Gesamtkosten der Umsetzung betrugen knapp 200.000 Euro (90.000 Euro für das BHKW und knapp 110.000 Euro für Photovoltaikanlage und Batterie). Von Seiten der DBU wurde das Projekt mit ca. 119.000 Euro bezuschusst.

Förderinitiative der DBU bei Berg- und Schutzhütten

Am 24. Oktober 1989 hat die Deutsche Regierung den Grundsatzbeschluss gefasst, den Erlös aus dem Verkauf der bundeseigenen Salzgitter AG für eine Umweltstiftung zu verwenden. Der Betrag von 1.288.007.400 Euro sollte als Stiftungskapital dienen, der jährliche Ertrag daraus für die Förderziele eingesetzt werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ist damit eine der größten Stiftungen in Europa. Sie fördert innovative beispielhafte Projekte zum Umweltschutz. Seit der Aufnahme der Stiftungsarbeit im Jahr 1991 hat sie über 7400 Projekte mit mehr als 1,3 Mrd. Euro Fördervolumen unterstützt. Im Juni 2000 startete die "Förderinitiative zur umweltgerechten Ver- und Entsorgung ausgewählter Berg- und Schutzhütten" mit einem Gesamtfördervolumen von 3,1 Mio. Euro für Hütten in deutscher Trägerschaft. Bei 25 Hütten wurden so die Bereiche Energie, Trinkwasser, Abwasser und Abfall ganzheitlich betrachtet und, optimal an den jeweiligen Standort angepasst, gelöst. Zusätzlich wurden 15 integrale Planungsphasen bei den Hütten und neun internationale Fachseminare in Benediktbeuern gefördert.

Ziel des Projekts

Vorrangiges Ziel der geförderten Maßnahmen war die Sicherstellung des Betriebs der Bonn-Matreier Hütte in umweltfreundlicher und nachhaltiger Art und Weise. Bezüglich der Energieversorgung war das Ziel, die Energie über regenerative Quellen zu erzeugen und die Wassergefährdung durch den Treibstoff zu minimieren. Zudem sollte die eingesetzte Primärenergie möglichst gut ausgenutzt werden. Weiters wurde die Möglichkeit zur Brauchwassernutzung geschaffen, um weniger abhängig Pufferspeichervom Quellwasser zu sein. Außerdem wurde eine UV-Desinfektionsanlage installiert. Die in der Planungsphase ermittelte beste realisierbare Lösung in Form einer Kombination aus Photovoltaikanlage und Pflanzenöl-Blockheizkraftwerk wurde einer Detailplanung unterzogen und die einzelnen Anlagenkomponenten dimensioniert. Dabei wurden insbesondere die Möglichkeiten verbraucherseitiger Einsparungen berücksichtigt. Im Zuge einer Ausschreibung wurde der Bestbieter ermittelt und mit der Ausführung der Anlage betraut. Ebenso wurde bei der Erneuerung der Wasserversorgungsanlage verfahren.

Umsetzung

Die Umsetzung der Maßnahmen auf der Hütte erfolgte im Sommer 2007. Ausgeführt wurden die Arbeiten von den Firmen Elektro-Mechanik Meisl GmbH aus Berchtesgaden Pflanzenoelund V.Trojer Solar-Heizung-Wasser aus Virgen. Die Projektabwicklung und das Fördermanagement wurden vom Büro Steinbacher + Steinbacher ZT KEG aus Thalgau übernommen.

Anlagenbeschreibung

Anstelle des Diesel-Aggregats wurde ein Pflanzenöl-Blockheizkraftwerk (BHKW) aufgestellt. Das Pflanzenöl wird mit der Materialseilbahn zur Hütte gebracht und dort in die Tanks (2 x 700 Liter) umgefüllt. Das BHKW hat auf der Höhe der Bonn-Matreier Hütte (2750 m ü.NN) 17 kW elektrische und 25 kW thermische Leistung, wobei der Verbrauch von Rapsöl etwa 3,5 l/h beträgt. Die durchschnittliche Betriebsdauer betrug bisher knapp 5 h/d. Die elektrische Grundlastabdeckung wird durch die Photovoltaikanlage (PV) mit 3,36 kWp Leistung bereitgestellt und direkt ins Hüttennetz eingespeist.
Heizkoerper Über die Batterie und die drei bidirektionalen Wechselrichter Sunny Island mit je 5kW Leistung wird ein ständig verfügbares Stromnetz mit einer Leistung von 15kW hergestellt. Hieraus können die einzelnen Abnehmer elektrische Energie beziehen, auch wenn das BHKW gerade nicht läuft.

Elektroanlagen
1 x BHKW: mit einer Leistung von ca. 15kW (elektrisch) bzw. ca. 25 kW (thermisch) auf 2.750m Seehöhe, zur elektrischen Versorgung der Großverbraucher Heizkörper(Seilbahn, Trinkwasserpumpe, Küchengeräte, etc.) und Nutzung der Abwärme zur Warmwassererzeugung und Heizung
Batterie: 24 Stück OpzV Batteriezellen mit je 2V Spannung und einem Arbeitsvermögen von 1000 Ah gesamt zur elektrischen Versorgung der Kleinverbraucher während der verbrauchsarmen Zeit (Nacht) und zur Speicherung von Überschussstrom
Photovoltaikanlage: 16 Module á 210 Wp, gesamt 3,36 kWp (ursprünglich waren 8 Module geplant, in der Saison 2009 erfolgte die Erweiterung)Dieselmotor um die Laufzeit des BHKW zusätzlich zu verkürzen
AC-Kopplung samt Energie- und Lastmanagement: um einen optimalen Energiefluss zwischen Erzeuger und Verbraucher zu gewährleistenalter Diesel
Elektroinstallationen Hütte: neue Beleuchtung mit Energiesparlampen, stromsparende Zeitschalter, Steckdosen, Leitungen
Steuerung Heizungs- und Notkühlanlage
Heizungsanlagen
2 Stk. Pufferspeicher á 1350 Liter: Speicherung der Abwärme des BHKW
Standard-Fertigheizkörper: in fast allen Räumen, energiesparende Heizungspumpen, Wärmedämmung der Heizungsrohre
Lufterhitzer: als Notkühler

Erfahrungsbericht aus der Realisierungsphase und dem laufenden Betrieb

Für den Bereich der neuen Stromversorgung ist festzustellen, dass die ursprüngliche Zielsetzung der Substitution des Dieselaggregats durch ein umweltfreundliches, rapsölbetriebenes Aggregat voll und ganz realisiert werden konnte. Die Ausnutzung des Primärkraftstoffes konnte von ursprünglich ca. 30% (Wirkungsgrad Dieselaggregat) auf knapp 90% beim BHKW gesteigert werden. AkkusEs steht nun ohne zusätzlichen Energieeinsatz soviel Warmwasser zur Verfügung, dass fast die gesamte Hütte geheizt werden kann. Dies spart Brennholz und Briketts, die bisher im Kachelofen verfeuert wurden.

Aufgrund der Betriebserfahrungen wurde festgestellt, dass die Photovoltaikanlage (PV) in Hinblick auf einen langlebigen Batteriebetrieb einer Optimierung unterzogen werden sollte. Die PV-Anlage wurde also in ihrer Leistung verdoppelt. Durch die Erweiterung wird nun eine solare Deckungsrate von 24 % erwartet.

Bis auf Flüssiggas zum Kochen konnten alle fossilen Energieträger auf der Bonn-Matreier Hütte durch Erneuerbare ersetzt werden. Die CO2-Emissionen wurden so um fast 90% auf weniger als 1t CO2 pro Hüttensaison reduziert.

Für den Bereich der Wasserversorgung kann ausgesagt werden, dass durch die installierte Brauchwasseranlage (Nutzung von Dachflächenwasser) zum Großteil die WC-Spülwässer aufgebracht werden können. Dadurch kann die aus dem Tiefbehälter hochgepumpte Wassermenge reduziert werden. Bisher war dafür ein Energieeinsatz von 6,75 kWh/d nötig. Es kann damit gerechnet werden, dass knapp die Hälfte dieses Stromverbrauchs eingespart werden kann, da der Wasserverbrauch der WCs im Schnitt 40% des Gesamtwasserverbrauchs einer Schutzhütte beträgt. Die Einsparung an elektrischer Energie beträgt also ca. 3 kWh/d durch die Brauchwassernutzung. Die damit verbundene monetäre Ersparnis beträgt circa 5 €/d bzw. 900 € pro Saison (Stromkosten 1,72 €/kWh).
Erste Erfahrungen zeigen also, dass durch die neuen Anlagen eine Reduktion der Betriebskosten erreicht werden konnte, sowohl bei der Wasser- als auch bei der Energieversorgung.

Über die sehr positiven Auswirkungen auf die Umwelt hinaus, ist der Hüttenwirt Wolfgang Heinz sehr zufrieden mit den neuen Anlagen. Sie bringen nicht nur eine Reduktion der Betriebskosten, sondern sind auch einfacher zu handhaben. Das alte Dieselaggregat lief den ganzen Tag, womit auch eine erhebliche Lärmbelastung verbunden war, die durch das neue, schallgedämmte BHKW komplett entfällt.

Es bleibt Wolfgang Heinz nun mehr Zeit sich um das Wohl der Gäste zu kümmern. Diese empfinden vor allem die Raumheizung als angenehm. Aber auch die ständige Verfügbarkeit von Warmwasser dürfte dazu beigetragen haben, dass bereits ein Anstieg der Gästezahlen zu verzeichnen ist. In gegenständlichem Beispiel kann der Trend aus der Hüttenbewirtschaftung bestätigt werden, dass nur Hütten mit einem gewissen Mindestkomfort nachgefragt werden.

Anlagenschema: